Geschichte und Rassebeschreibung des Kurzhaarcollies 

 

Der britische Kurzhaarcollie unterscheidet sich vom britischen Langhaarcollie durch die unterschiedliche Haarlänge.  Obwohl vom Körperbau gleich und vom Wesen her ähnlich führt die FCI, die Weltorganisation der Kynologie, den Kurzhaarcollie (Collie Smooth) und den Langhaarcollie (Collie Rough) als zwei eigenständige Rassen unter gleicher Gruppe, den „Hüte- und Treibhunden“, Sektion  „Schäferhunde“.

 

Die Entstehungsgeschichte des Collies läßt sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen. Es ist anzunehmen, dass der Kurzhaar- und der Langhaarcollie desselben Ursprungs sind. Seinen Namen hat der Collie vermutlich von einer Schafart mit schwarzen Köpfen und schwarzen Beinen erhalten, die im 18. Jahrhundert in Schottland gehalten wurde, den sogenannten „Colleys“. Die Vorfahren unserer heutigen Collies haben diese Schafe gehütet und wurden deshalb „Colley Dogs“ genannt. „Col“ ist übrigens gälisch/keltisch und bedeutet „dunkel“. Dunkel waren auch die „Colley Dogs“. Diese ersten schottischen Schäferhunde waren überwiegend von schwarzer Fellfarbe. Das Einkreuzen von Windhunden und Settern hat das heutige Erscheinungsbild geebnet.   

 

Die Arbeitsvergangenheit des Langhaarcollies lag eher darin, im rauhen schottischen Hochland Schafe zu hüten, während der Kurzhaarcollie eher im milderen Tiefland Bauern- und Treiberhund der Viehhändler war und die Schafe auf den Markt trieb.  

 

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in England Hundeausstellungen veranstaltet. Seit 1870 wurden Kurzhaar- und Langhaarcollies in unterschiedlichen Bewertungsklassen geführt.  

 

Aufgrund des geringen Genpools des Kurzhaarcollies wurden vereinzelt immer mal wieder Langhaarcollies zur "Blutauffrischung" in die Zucht genommen. Sofern der zur Zucht eingesetzte Kurzhaarcollie von seiner genetischen Anlage her "reinerbig" war, entstanden bei solchen Verpaarungen nur Kurzhaarcollies, da sich das kurze Fell dominant vererbt. Verpaart man jedoch zwei mischerbige Kurzhaarcollies (Langhaarträger), können zu einem kleinen Anteil Langhaarcollies mit in einem Wurf dabei sein. Diese erhalten per heutigem Stand im DCC Kurzhaarpapiere und können nicht ins Langhaarzuchtbuch eingetragen werden. Die Verpaarungen der beiden Rassen (Langhaar und Kurzhaar) werden heute in Deutschland innerhalb des VDH´s nicht mehr gemacht. In anderen Ländern (wie z.B. Österreich) wird es innerhalb der FCI anders geregelt und auch dürfen die Langhaarcollies aus Kurzhaarverbindungen in die Langhaarzucht, wenn sie zuchttauglich sind.

 

Der Kurzhaarcollie war nie Modehund, wurde wenig züchterischen Wandlungen unterworfen und konnte insbesondere seine guten Gebrauchshundeeigenschaften als Treib-, Arbeits- und Wachhund mit guten Stöbereigenschaften und seine Nervenstärke bis in die heutige Zeit bewahren. Deswegen wird er gerade bei Hundesportlern und für Spezialausbildungen immer beliebter. Obwohl der Kurzhaarcollie über enormen Arbeitseifer und ausgeprägte Bewegungsfreude verfügt, eignet er sich wegen seiner Intelligenz und seinen vorzüglichen Haushundeigenschaften wie Anpassungsfähigkeit, großem Anlehnungsbedürfnis an seine Menschen und seiner Umgänglichkeit sehr gut als Familienhund. Aber für "Nur Schnüffelspaziergänge" und "Nur um den Block" ist dieser Hund zu schade! Seine Intelligenz möchte er unter Beweis stellen können und er möchte sich an seinen Erfolgserlebnissen und Ihrem Lob erlaben!   

 

Ein Kurzhaarcollie ist zwar ein recht unkomplizierter Begleiter im Leben, aber auch nur - wie bei allen anderen Rassen mit Arbeitseigenschaften oder -vergangenheit auch - wenn man seinen Bedürfnissen gerecht wird. Er geht zwar nicht gleich "die Wände hoch", wenn mal weniger Zeit für ihn ist, aber im Grundsatz sollte die Beschäftigung mit dem Hund schon stimmen. Ich denke, für das seelische Gleichgewicht ist eine gute Balance zwischen Arbeit/Spiel/Beschäftigung und auch mal unkommentiert schnüffeln lassen wichtig, wobei ein Kurzhaarcollie das gemeinsame Tun dem hündischen "Freisein im Freiraum" vorziehen wird, sich aber dort schnell wieder einfinden kann.  

 

Es macht Spaß, einen Kurzhaarcollie auszubilden. Er will lernen, will was tun, will seinem Menschen gefallen, will aktiv mit ihm sein. Ich denke, ein Kurzhaarcollie ist in jeder Hundesportart gut aufgehoben, wobei ihm das Hüten oder Obedience sicher mehr liegt als der Schutzhundesport. Wer aber - aus welchen Gründen auch immer - aktiven Hundesport in einem Verein oder eine Spezialausbildung in einer Hundeschule nicht mit seinem Kurzhaarcollie betreiben möchte, sollte sich dennoch eine Möglichkeit ausgucken, ihn nicht nur körperlich, sondern auch kopfmäßig auszulasten.   

 

Ein Hütehund ist dafür gezüchtet worden, auf jede kleine Veränderung in seiner Herde zu reagieren und sie wichtig zu nehmen. Das macht ihn hellwach und super feinfühlig. Auf Pfiff und Fingerzeig muß er auf Distanz zuverlässig mit seinem Menschen zusammenarbeiten. Ich mache mit meinen Hunden Dummyarbeit und sie bleiben auch auf Distanzsuche/arbeit jederzeit ansprechbar und lenkbar, verlieren den Kontakt zu mir nicht, wenn sie auch emsig ihr Ziel verfolgen.

 

Mit der Erziehungsmethode über positive, freundliche Motivation kommt man bei diesem lernwilligen Vertreter des Hundereichs sehr gut an sein persönliches Ziel in der Hundeerziehung bzw. -ausbildung. Sicher muß man auch einem Collie hier und da Grenzen setzen oder von einem unerwünschten Tun abhalten, aber hundegerecht. Unsachgemäße und auch unnötige Grobheit verträgt ein Kurzhaarcollie nicht und er kann dann sehr stur reagieren. Dieser Hund macht seinem Menschen bei der Erziehung/Arbeit sehr viele "Geschenke", einen sklavischen Gehorsam mit entsprechendem Ton eingefordert mag er aber nicht und zeigt es auch deutlich. Er bleibt in seiner Wahrnehmung ein Stück weit "selbständig" und sich selbst auch treu.

Ein so gelehriger, kluger, fleißiger, anpassungsfähiger, sensibler und seelenvoller Hund braucht ein gut strukturiertes Rudel, in dem er seinen Platz hat, wo er zwar zugeteilte simulierte Aufgaben übernehmen darf, aber keine Verantwortung tragen sollte. Er möchte und sollte Teil der Familie sein, sollte dabei aber liebevoll geführt werden.  

 

Der Kurzhaarcollie wird in der BRD seit 1961 gezüchtet und gehört trotz des stetig wachsenden Liebhaberkreises und heute etwa 20 VDH-Züchtern in der BRD immer noch zu den unbekannten und selteneren Hunderassen. Ihn gibt es gemäß FCI-Standard 296 vom 19.10.1988 in drei anerkannten Farbschlägen: zobelfarben-weiß (sable-white), tricolour (überwiegend schwarz mit lohfarbenen Abzeichen) und blue-merle. Alle Farbschläge weisen möglichst  „collietypische“ weiße Abzeichen auf. Vorteilhaft dabei sind eine weiße Halskrause (ganz oder teilweise), eine weiße Brust, weiße Läufe und Pfoten und eine weiße Rutenspitze und gegebenenfalls eine Blesse auf dem Vorgesicht und/oder am Schädel. Kurzhaarcollies haben mittelgroße, mandelförmige, dunkelbraune Augen. Blue-merle-Kurzhaarcollies können braune und/oder auch blaue Augen haben. Rüden haben eine Widerristhöhe von 56 – 61 cm und wiegen 20,5 bis 29,5 kg. Hündinnen haben eine Widerristhöhe von 51 – 56 cm und wiegen 18,0 – 25,0 kg.  

 

Etwas Wortspielerei zum Schluß: "smooth" (engl.) der englischen Rassebezeichnung "Smooth Collie" (Kurzhaariger Schottischer Schäferhund) bedeutet übersetzt nicht etwa "kurzhaarig" wie man auf den ersten Blick vermuten könnte, sondern:   

 

  • mild
  • eben
  • glatt
  • lässig
  • lieblich
  • stufenlos
  • geschmeidig
  • ausgeglichen
  • gleichmäßig
  • ruhig verlaufend
  • sanft übergehend
  • reibungslos
  • nahtlos
  • fugenlos
  • ruhig 

Das sind alles Adjektive, die super auf den Kurzhaarcollie passen! Hier ist der Name Programm!