Unser Kurzhaarcollie "Floyd" heißt eigentlich "Maverick vom Eifelparadies" (www.vom-eifelparadies.de) und wurde in der Eifel am 11. Juni 2006 geboren. Durch die liebevolle Betreuung von Frau Löwenau in den ersten Lebenswochen und dem Glück einer gelungenen Elternverbindung erhielt Floyd mit seinen Geschwistern das Rüstzeug für ein bezauberndes Colliewesen. Mit neun Wochen zog er zu uns nach Duisburg.
4 Monate jung
Floyd war ein sehr angenehmer Welpe. Manchmal habe ich mich regelrecht gewundert, warum er jetzt schon wieder genau das Richtige tut, obwohl keiner von uns es ihm je beigebracht hat. Er hat bei der Welpenerziehung unheimlich gut mitgemacht und er wollte von Anfang an viel, viel lernen. Und er lernte spielend! Von Anfang an zeigte er sich als souveräner Gentleman, ein richtig kleiner "Sir" - nie aufdringlich und trotzdem immer dabei! Woher nahm er den Schneid, sich so selbstverständlich, feinfühlig und nahtlos in unsere Familie einzufügen? Gemäß allgemeiner Rassebeschreibung handelt es sich bei dem Kurzhaarcollie um einen sehr gelehrigen und unkomplizierten Hund und wir hatten einen wunderbaren Vertreter seiner Rasse, das war uns bereits nach ein paar Tagen sonnenklar!
Floyd ist ein an sich sehr ausgeglichener Hund. Zuhause ist er gemütlich, bescheiden, liegt meistens auf seinem Platz oder bei schönem Wetter auf der Wiese in der Sonne, beobachtet alles um sich herum oder döst, räkelt und streckt sich, sucht zwischendurch mal Kontakt oder spielt, kuschelt und zankt mit Monja. Auch wenn er mal allein zuhause ist, ist er sehr ruhig, aber ...
... aber! Jetzt kommt ein grooßes ABER! Man darf des Kurzhaarcollies Anpassungsfähigkeit meines Erachtens niemals für seine eigene Bequemlichkeit mißbrauchen. Ein Kurzhaarcollie ist zwar ein unkomplizierter Begleiter im Leben, aber auch nur - wie bei allen anderen Rassen mit Arbeitseigenschaften oder -vergangenheit- übrigens auch, wenn man seinen Bedürfnissen gerecht wird. Floyd geht zwar nicht gleich "die Wände hoch", wenn mal weniger Zeit für ihn ist, aber im Grundsatz sollte die Beschäftigung mit dem Hund schon stimmen. Ich denke, für das seelische Gleichgewicht ist eine gute Balance zwischen Arbeit/Spiel/Beschäftigung und auch mal unkommentiert schnüffeln lassen wichtig, wobei Floyd das gemeinsame Tun dem hündischen "Freisein im Freiraum" vorzieht, sich aber auch dort schnell wieder einfindet.
Es macht Spaß, einen Kurzhaarcollie auszubilden. Er will lernen, will was tun, will seinem Menschen gefallen, will aktiv mit ihm sein. Ich denke, ein Kurzhaarcollie ist in jeder Hundesportart gut aufgehoben, wobei ihm das Hüten oder Obedience sicher mehr liegt als der Schutzhundesport. Wer aber - aus welchen Gründen auch immer - aktiven Hundesport in einem Verein oder eine Spezialausbildung in einer Hundeschule nicht mit seinem Kurzhaarcollie betreiben möchte, sollte sich dennoch eine Möglichkeit ausgucken, ihn nicht nur körperlich, sondern auch kopfmäßig auszulasten.
Ein Hütehund ist dafür gezüchtet worden, auf jede kleine Veränderung in seiner Herde zu reagieren und sie wichtig zu nehmen. Das macht ihn hellwach und super feinfühlig. Auf Pfiff und Fingerzeig muß er auf Distanz zuverlässig mit seinem Menschen zusammenarbeiten. Floyd läßt mich auch auf Distanz "nie im Regen stehen". Voll konzentriert bei der Arbeit beobachtet er alles, was ich tue und reagiert punktgenau auf das, was ich sage und/oder per Handzeichen zeige. Er ist mit all seinen Sinnen dabei und nichts kann ihn dann ablenken, rein gar nichts! Er tut "seinen Job" und ist glücklich und nachher ... geht er zufrieden mit mir des Weges nach Hause.
In obigem Flashfilm wurde aus einer "Steh"-Position ein Richtungsapport nach rechts und links aufgebaut. Erst wird der rechte Dummy apportiert. Dann erfolgt eine Konzentrationskontrolle mit zwei Zwischenkommandos "Platz" und "Sitz" , bevor der zweite Dummy geholt werden darf. Beim Training mache ich immer etwas Unvorhergesehenes. Soweit möglich, ändere ich Abläufe immer, damit wir nicht in Gefahr laufen, nach "Schema F" ein Programm abzuspielen.
Im folgenden Film ist der Richtungsapport anders kombiniert zu sehen:
Ich habe neben den Dingen, die ein Hund und sein Mensch in der Begleithundeausbildung und im Teil der Unterordnung einer Schutzhundausbildung in einer Hundeschule lernen, ergänzend sehr früh mit Floyd Dummytraining gemacht. So arbeitete ich lange im Dreieck mit zwei Dummies und machte mit ihm Richtungsapport. Im Laufe der Zeit hat sich eine ganz eigene Art entwickelt, mit Floyd zu arbeiten: ich sage "Dummy hüten" dazu: Ich verteile mindestens zwei Dummies auf unserer großen Übungswiese und schicke Floyd, den ersten zu holen. Bei mir abgegeben, wird er zum nächsten verwiesen. Während er dorthin flitzt, lasse ich den bereits gebrachten per Wurf wieder hinter mir verschwinden und laufe selber ein paar Meter los - vom geworfenen Dummy weg. Floyd bringt mir den nächsten Dummy, wird von mir zu einem anderen geschickt, der eben gebrachte verschwindet per Wurf wieder hinter mir u.s.w., u.s.w.. Für Floyd kann es gar nicht lang genug so gehen. Es kommt bei diesem Treiben soviel Tempo auf, daß ich manchmal das Gefühl habe, unsere "Dummy-Herde" ist wirklich auf schnellen Füßen unterwegs. Floyd "treibt" bzw. bringt die Dummies zu mir statt in einen Paddock und ist quasi ständig bemüht, "ausreißende" Dummies - auf mein Handsignal hin - zurückzubringen. So meine Interpretation und auch Intension. Das Schönste an dem Spiel, sind Floyds leuchtende Augen. Man merkt, das ist genau sein Ding! Er arbeitet hier superkonzentriert, in flüssigem Tempo, aber dennoch exakt und ist nachher total relaxt - viel mehr als nach einem zweistündigen Spaziergang!
In dem Film oben sieht man das "Dummyhüten". Ich habe bewußt diesen Film gewählt, in dem eine Anweisung von mir nicht klar bei Floyd angekommen ist, er sich fragend noch mal umdreht "Wo soll ich nochmal hin?", so daß man hier deutlich sehen kann, daß er nicht auf "eigene Faust" sucht, sondern während der Ausführung ständig mit mir in Kontakt steht, worauf es mir bei der Übung ankommt.
Manchmal aber lege ich Floyd auf unserer Arbeitswiese auch erstmal ab und verstecke dann, während er wartet, mehrere Dummies überall auf der Wiese und in den umliegenden Büschen. Ich merke mir markante Punkte, damit ich später noch weiß, wo ich die ganzen Dinger hingelegt habe. Dann rufe ich Floyd erstmal ran und mache mit ihm einen, wie ich sage, "Free Style" alles, was wir bisher zusammen erarbeitet haben wird in bunter Reihenfolge abgerufen, daneben gibt´s auch mal den geliebten Ball zum Flitzen und zwischendurch, ja zwischendurch wird´s richtig spannend: da schleichen wir uns - er "bei Fuß" dicht bei mir- an einen versteckten Dummy an. Ich flüstere ihn unter Hochspannung ins "Platz", verharre noch einen Moment, bevor ich ihn mit einem tosenden "Voorauus Aapoooooort" zum Dummy vorausschicke. Der große Sinn dieser "gemeinsamen Jagd" liegt meines Erachtens darin, daß mein Hund lernt, wenn er als "mein Jagdgehilfe" auf mich achtet und mir folgt, kommt er viel schneller zum Ziel als auf eigene Faust und er soll erfahren, daß ich echt den Durchblick habe, denn ich sehe unsere Beute ja viel eher als er. So verschaffe ich mir auf solch spaßvolle, nette Weise echten Status aus seiner Sicht!
Damit mein Lieber solche Beschäftigung aber nicht einfordert und er nicht zum hyperaktiven Workaholic wird, mache ich diese Form des Trainings nicht jeden Tag. Oft gehen wir an unserer "Dummy-Wiese" mit den Worten "Heute nicht" vorbei. Klar kommt ein Überredungsversuch. Und dann ein enttäuschter Blick. Dann gibt er aber auch Ruh´.
Floyd läuft gut und gerne am Rad. Oft drehen wir unsere Runde mit den Dummies in den Satteltaschen am Fahrrad. Zu früh sollte mit dem Radfahren allerdings nicht begonnen werden. Ich habe bis zur Vollendung des 15. Lebensmonats damit gewartet und unsere Runden allmählich gesteigert.
Übrigens, eine Sache kann ich mir gut vorstellen, wann es mit der Erziehung und Ausbildung eines gut sozialisierten und auf den Menschen geprägten Kurzhaarcollies nicht klappen wird: wenn die Menschen zu forsch und unsanft mit ihm umgehen. Das verträgt ein Collie nicht und braucht es auch nicht. Mit der Erziehungsmethode über positive, freundliche Motivation kommt man bei diesem lernwilligen Vertreter des Hundereichs sehr gut an sein persönliches Ziel in der Hundeerziehung bzw. -ausbildung. Sicher muß man auch einem Collie hier und da Grenzen setzen oder von einem unerwünschten Tun abhalten, aber bitte hundegerecht, so daß die Message beim Hund auch ankommt, ohne ihm Angst zu machen. Der Collie gilt zwar als "Anfängerhund", aber dennoch versteht es sich von selbst, daß es für einen (werdenden)Hundehalter zwingend erforderlich ist, sich über das Wesen und die Erziehungsmethoden von Hunden eingehend zu informieren und seinen Collie hundegerecht zu halten und zu behandeln und dabei auch nicht zu vermenschlichen! Dabei helfen gute Hundeschulen und nicht zuletzt gute Fachbücher. Ein so gelehriger, kluger, fleißiger, anpassungsfähiger, sensibler und seelenvoller Hund braucht ein gut strukturiertes Rudel, in dem er seinen Platz finden muß, wo er zwar zugeteilte simulierte Aufgaben übernehmen darf, aber keine Verantwortung tragen sollte. Er möchte und sollte Teil der Familie sein, sollte dabei aber liebevoll geführt werden. Ein Collie schließt sich seinem ihm Sicherheit gebenden Menschen so eng an, daß er einen Halterwechsel nur schwer verkraften würde. Das würde ihn wahrscheinlich seelisch zerbrechen! Grobe, dem Hund unverständliche Behandlung ebenso!
3. Ruhrgebietsshow in Gelsenkirchen am 24. August 2008
Trotz unserer Stehohren wagten wir uns im Sommer 2008 auf eine Ausstellung.
Floyd hat die Formwertnote "sehr gut" erhalten und wurde Drittplazierter der "offenen Gruppe".
Zuchtrichterin Frau Petra Tietze über Floyd:
"26 Monate alter tricolor Rüde. Leider wird die Gesamterscheinung durch die Stehohren gestört. Sehr guter Kopf - etwas lang im Vorgesicht, dunkelbraune Augen. Vorderhand sollte besser gewinkelt sein, Hinterhand gut. Rute in Stand und Bewegung korrekt. Flüssiges Gangwerk, im Vortritt kurz."
"sehr gut", 3. Platz
4. Ruhrgebietsshow in Gelsenkirchen am 26. Juli 2009
Zuchtrichterin Frau Charlotte Hoier aus Dänemark über Floyd, der in der "offenen Gruppe" gestartet ist:
"Very masculine male with a nice temperament perfect substance and body but his bones are too fine compare to body, unfortunately his ears are totally standing, giving an uncorrecte expression nice head nicely put together, moves nice."
"sehr gut", 2. Platz
Mit diesen beiden Ausstellungsergebnissen geht für mich ein Teil eines Traumes in Erfüllung: Floyd hat alle Bedingungen für seine Zuchtzulassung erfüllt!
Es ist leider Realität, daß ein Großteil der Kurzhaarcollies "von Natur aus" sehr zu Stehohren neigen. Ich vermute sogar, daß nur ein Drittel aller Kurzhaarcollies natürliche Kippohren haben. Es ist üblich, den Ohren mit Hilfsmitteln wie Klebern, Pasten, Massagen und Gewichten "auf die Sprünge" zu helfen, um sie zum Kippen zu bringen. Gelingt es, den Ohrknorpel elastisch zu halten und macht man die "Ohrenkosmetik" früh genug (während der Zahnung), hat man damit auch (meistens) Erfolg. Ich habe mich damals damit sehr schwer getan und mich bei Floyd gegen eine Manipulation der Ohren entschieden, als sie sich nach einem wilden "Ohrenspiel" während der Zahnung mit ca. 7 Monaten komplett aufrichteten, weil ich damals die Meinung vertreten habe, daß all diese Hilfsmittel einfach nicht an Hundeohren gehören. Hätte ich es aber getan und die Ohren zum Kippen gebracht, wären wir auf Ausstellungen sicher noch viel erfolgreicher gewesen! Deswegen kann ich heute all diejenigen Aussteller und Züchter verstehen, die da nachhelfen. Aus Erfahrung lernt man...
Für mich kommt es vom züchterischen Wert auf das Gleiche heraus, ob ein ohrenkorrigierter Kurzhaarcollie oder ein Kurzhaarcollie mit unkorrigierten Stehohren zur Zucht eingesetzt wird.
Ich bin stolz und dankbar zugleich, die Zuchtzulassung für Floyd trotz des sicherlich nicht unerheblichen Abzuges für die Ohren bei der Schaubewertung bekommen zu haben. Ich denke, daß dieses nicht selbstverständlich ist und es gibt mir die Bestätigung über die Qualität meines Rüden. Ich bin dankbar für den Rundumblick der Zuchtrichterinnen, die Floyd bisher bewertet haben und für die gemachte Erfahrung, daß es bei Stehohrigkeit (mit Punktabzug) auch ohne Ohrenmanipulation gehen kann!
Auch wenn Ohren nicht das Wichtigste an einem Hund sind, halte ich die (verschleierte) Realität, was die manipulierten bzw. stehenden Ohren der Kurzhaarcollies betrifft, für eine große Herausforderung in der Kurzhaarcolliezucht, da hier der theoretische Rassestandard in der Praxis leider nicht auf die Mehrheit der zur Zucht eingesetzten Kurzhaarcollies konform geht, da die wenigsten "ehrliche Natur-Kipp-Ohren" haben. Sie haben zwar in der Regel Kippohren, aber es wurde "nachgeholfen" oder zumindest "abgesichert"- und das ist schon eher die Regel als die Ausnahme. Es ist schade, daß man dem züchterisch nicht wirklich beikommen kann, da zum Einen eine ehrliche Grundlage fehlt durch Ohrenmanipulationen, zum Anderen aber eine drastische Einschränkung des Genpools hinsichtlich Natur-Kippohren es der Rasse auf Dauer ihre geschätzte Gesundheit kosten könnte! Des weiteren ist die Tatsache nicht von der Hand zu weisen, daß auch in Nachzuchten von Eltern mit sogar schweren Naturkippohren "Stehohrigkeit" auftritt und Eltern mit "leichten" Ohren schöne Naturkippohren erzeugen können. Das zeigt dann die Praxis, wie gut eine Verpaarung in "Ohrensachen" ist.
So bleibt auf längere Sicht wohl nur doch das Nachhelfen mit Klebern und Co. und die Freude über die Welpen, die ihre Kippohren auch ohne eingesetzte Hilfsmittel während ihrer Reifung, speziell Zahnung, behalten!
Obwohl ich im Grunde ein Gegner von Ohrenmanipulationen bin, kann ich in Anbetracht all der oben aufgeführten Punkte dem Welpenkäufer nur empfehlen, die Ohren zumindest während der Zahnung zu unterstützen und in Einzelfällen darüber hinaus, vor allen Dingen dann, wenn man Ausstellungen besuchen möchte oder sich dies zumindest offen halten möchte oder eben auch einfach nur, weil man berechtigterweise Wert auf korrekte Kippohren legt. Nachher könnte man sich eventuell ärgern (so wie ich), es versäumt zu haben.
So würde Floyd heute mit großer Wahrscheinlichkeit aussehen, wenn ich die "Ohrenkosmetik" in seiner Jugend nicht vernachlässigt hätte oder sich Kippohrigkeit bei ihm auf natürlichem Weg durchgesetzt hätte (die Ohrspitzen wurden vorübergehend von mir beschwert).
Die Ohrenhaltung beeinflusst die Gesamterscheinung und den Ausdruck schon sehr stark.
ausgestellt vom Deutschen Collie-Club e. V., Sitz Köln/Rh. , VDH, FCI